Evelyne Axell (2011)

Le Peintre

Preis:  

9.000 EUR (vergriffen)

Letztes Exemplar, Nr. 9/25

Le Peintre, 1971

Farblithografie

ca. 70 x 50 cm

Auflage:3 Blätter mit teils unterschiedlicher Farbgestaltung, aus einer Auflage von 25 Blättern, deren Mehrzahl verloren gegangen ist

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Aus dem Nachlass der Künstlerin erhielt der Museumsverein drei Blätter der einzigen erhaltenen bzw. vielleicht gar einzigen je produzierten Druckauflage von Evelyne Axell. Die Blätter unterscheiden sich farblich. Der Wert steigert sich dadurch, dass ein großer Teil der Auflage durch einen Lagerschaden vernichtet wurde und wohl nur 8 bis 10 Blätter erhalten sein dürften.

Le Peintre, zu deutsch Der Maler zeigt das Selbstporträt der belgischen Malerin Evelyne Axell (1935-1972) in seiner schillerndsten Dimension: Im Titel männlich, im Motiv weiblich. Sie stellt sich als Maler mit Pinsel und Farbtopf dar und zugleich als das Modell, eine weibliche Aktfigur. Die nackte Frau, bislang Bildobjekt von männlichen Malern, verwandelt sich hier zum Subjekt. Der Autor ist nicht mehr männlich, sondern weiblich.

Auch der Blick, das Begehren, die Lust werden hier der Vorstellung entrissen, nur Männern zu gehören. In der suggestiv-plakativen Formensprache von Plakatmalern, Illustratoren und Werbegrafikern erzeugte Evelyne Axell mit diesem Motiv eine Ikone der weiblichen Emanzipation, nach Einschätzung der Kunsthistorikerin Liesbeth Decan könnte es gar das erste Mal gewesen sein, dass sich eine Frau nackt und als Künstlerin malte.

Das Selbstportrait mit Pinsel und Farbtopf ging bereits 1970 in die große Tafelarbeit "Le Joli Mois de Mai" (Mu.Zee, Oostende) ein, wo Evelyne Axell die Ereignisse von 1968 in ein Historienbild überführte: Sie selbst auf dem rechten Flügel des Bildes als Chronistin, die das Geschehen darstellt, ihr gegenüber, auf dem linken Flügel, einem Propheten gleich das Porträt des französischen Kunstkritikers Pierre Restany.

Biografie

1935 Geboren am 16. August 1935 als Evelyne Devaux, Tochter eines Silberhändlers, in Namur, Belgien. Abgesehen von dem in Guatemala lebenden "Onkel Jean" – ein Bildhauer und ehemaliger Schüler von Henry Van de Velde – gibt es keine Künstler in der angesehenen Kaufmannsfamilie. Evelyne besticht bereits als zweijähriges Kind mit ihrem Aussehen und wird zum schönsten Baby ihres Geburtsortes gekürt.

1940 – 55 (Namur – Brüssel – Namur) Ihre Schulausbildung folgt den traditionellen Bildungsvorstellungen für ein junges Mädchen aus "gutem Hause". Zunächst besucht sie die katholische Grundschule der Schwestern der Heiligen Maria in Namur und anschließend wird sie in Brüssel in ein von Nonnen geführtes Mädchenpensionat eingeschult. 1953 mit 18 Jahren macht sie das Abitur an einem altphilologischen Gymnasium. Im Anschluss schreibt sie sich an der Kunstschule für Keramik auch in Namur ein.

Schnell stellt sie fest, dass es sie in die Großstadt nach Brüssel zieht, wo sie am Theaterkonservatorium aufgenommen wird. Ihrem Patenonkel Robert Kaesner gehört das berühmte Kino Metropole in Brüssel. Er nimmt sie mit zum Filmfestival nach Cannes, wo er sie mit Stars des internationalen Films wie Henri Vidal und Jean Cocteau bekannt macht.

Ganz selbstverständlich trifft sie beim Abendessen auf Gregory Peck oder Arletty, die Femme fatale des französischen Films, und testet da ihre eigene Ausstrahlung und Verführungskraft.